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Die Jünger Jesu

Der Erste: Simon Petrus

Symeon, griechisch Simon, trägt den Zunamen Kepha, Griechisch Petros. Er ist der führende Jünger Jesu, von Anfang an dabei. Nach Jesu Tod gehört er zu den grundlegenden Zeugen der Auferweckung und ist so an der Bildung einer palästinischen Urgemeinde beteiligt. Er zählte wohl zu den Galiläern (er stammt aus Kapernaum), die von der Predigt Johannes des Täufers erfasst waren. Neben seinem Bruder Andreas und den Brüdern Johannes und Jakobus stand er Jesus in entscheidenden Stunden besondes nah. Ihm sind etliche Symbole fest zugeordnet: Fisch - Fels - Schlüssel - Hahn. Unsere Kleefelder Kirche ist nach ihm benannt.

Der Zweite: Andreas

Andreas, Bruder des Simon Petrus, stammt wohl aus Bethsaida und war Fischer und Hausbesitzer in Kapernaum. Mit Petrus gemeinsam gehörte er dem Kreis um Johannes dem Täufer an, bevor ihn Jesus in seine Nachfolge berief. Er erscheint als der Typ eines Jüngers, der andere zu Jesus hinführt. Sein griechischer Name ("mannhaft, tapfer") begegnet durchaus auch bei Juden. Als sein späteres Predigtgebiet als Apostel gilt Skythien; daher ist Andreas der Patron Russlands. Nach den Andreasakten (Apostellegenden) erlitt Andreas den Kreuzestod (Andreaskreuz!). Sein Märtyrertag ist der 30. November.

Der Dritte: Jakobus

Jakobus, der Sohn des Zebedäus, wurde mit seinem Bruder Johannes am See Genezareth zum Jünger Jesu berufen (Mk 1,19f). Jesus nannte das Brüderpaar, das mit Petrus zum engsten Jüngerkreis gehörte, "Donnersöhne" (Mk 3,17). Die Überlieferung kennt Zurechtweisungen Jesu den Brüdern gegenüber: als sie Missachtung mit Feuer vom Himmel bestrafen wollen (Lk 9,51-56) und als sie die Ehrenplätze in Jesu Herrschaft begehren (Mk 10,40). Nach Ostern gehört Jakobus der ältesten Jerusalemer Gemeinde an. Er wird 44 n.Chr. unter König Herodes Agrippa hingerichtet (Apg 12,2).

Der Vierte: Johannes

Johannes, Sohn des Zebbedäus, wurde wie sein Bruder Jakobus am See Genezareth, wo sie Fischer waren, zum Jünger Jesu berufen (Mk 1,19f). Jesus nannte das Brüderpaar "Donnersöhne" (Mk 3,17). Im Johannesevangelium fällt Johannes eine besondere Bedeutung zu, wenn er als Jünger, den Jesus liebhatte, bezeichnet wird (Jh 13,23). Er steht als einziger Jünger unter dem Kreuz und erhält den Auftrag, für die Mutter Jesu zu sorgen (Jh 19,26). Er ist es auch, der am Ostermorgen als erster an den Auferstandenen glaubt (Jh 20,8) und ihn am See Tiberias erkennt (Jh 21,7). Tradition und Kunst sehen ihn als den jüngsten unter den Jüngern Jesu.

Der Fünfte: Philippus

Der Evangelist Johannes berichtet über Philippus, dass er aus Bethsaida stammte, aus dem Heimatort von Petrus und Andreas. Außerdem ist es Philippus, der Nathanael zu Jesus bringt, Nathanael mit der skeptischen Frage: "Was kann aus Nazareth Gutes kommen!" Aber Philippus lädt ein: "Komm und sieh es!" Schwieriger ist seine Rolle, als er bei der Speisung der 5000 rund heraus äußert, das Geld der Jünger lange nicht für ausreichend Brot, oder als er von Jesus Gott, den Vater, gezeigt haben möchte. Doch auch fungiert er - wie so oft - als ein Vermittler für Jesus und seine Botschaft. Nicht zu verwechseln ist er mit dem Diakon Philippus der Apostelgeschichte!

Der Sechste: Bartholomäus

Der Name bedeutet "Sohn des Talmaj". "Talmaj" kann "Furchenzieher" heißen oder "Bruder derselben Mutter". Der Jünger Bartholomäus wird in allen neutestamentlichen Aufzählungen genannt, nur bei Johannes steht an seiner Stelle Nathanael. Genaueres weiß man nicht von ihm. Die alexandrinische Überlieferung lässt Bartholomäus den Indern das aramäische Matthäusevangelium bringen. Nach anderen Nachrichten soll er dort auch den Märtyrertod gestorben sein, und zwar einen besonders furchtbaren; sein Märtyrerzeichen ist abgezogene Haut. Als sein Todestag gilt der 24. August. Aus dem Jahr 1572 verbinden sich mit der "Bartholomäusnacht" grausame Ausschreitungen in Paris, als dort Tausende reformierte Hugenotten umgebracht werden.

Der Siebte: Thomas

Sein Name bedeutet vom Aramäischen her "Zwilling". Im Johannesevangelium begegnet er als derjenige Jünger, der um den Glauben an Jesus ringt, der pessimistisch urteilt (Joh 11,16), der nachfragt (Joh 14,5), der Beweise haben möchte (Joh 20,24 und 25), bis ihm die Begegnung mit dem Auferstandenen Glaubensgewissheit schenkt (Joh 20,26-28). Sein späteres Leben ist legendär überliefert. Die indischen Thomaschristen führen ihren Ursprung auf eine Missionstätigkeit des Thomas in Indien zurück. 1945 wurde ein Thomas-Evangelium wiederentdeckt, das Aussprüche Jesu wiedergibt. Heute kennen wir, aus Finnland zu uns gekommen, die sogenannte Thomas-Messe, einen Gottesdienst, der sich besonders an der Kirche Fernstehende und Zweifler wendet.

Der Achte: Matthäus

Der Apostel Matthäus (von hebräisch: Mattanja = Geschenk Gottes) ist vermutlich nicht der Autor des Matthäusevangeliums, sondern ein anderer, älterer Matthäus, der ausdrücklich als "der Zöllner" bezeichnet wird. Hinter seiner Berufung steht wohl die Geschichte des Levi, von dem das Markus- und das Lukasevangelium erzählen (Markus 2,14; Lukas 5,27; aber Matthäus 9,9). Eine alte Nachricht besagt, Matthäus habe die Worte Jesu in hebräischer Sprache zusammengestellt, so dass daraus eine Quelle für die späteren Evangelien wurde. Doch vieles bleibt ungewiss: War er strenger Vegetarier, wie eine Quelle berichtet? Starb er im Feuer oder durch Enthauptung oder durch Steinigung?

Der Neunte: der kleine Jakobus

Der Apostel Jakobus, Sohn des Alphäus, taucht in allen Apostelverzeichnissen auf. Doch man weiß nichts Näheres über ihn. In Markus 15,40 ist eine der drei Frauen unter dem Kreuz Jesu Maria, die Mutter Jakobus' des Kleinen. Ist er dieser? In Markus 2,14 beruft Jesus einen Levi, Sohn des Alphäus, in seine Nachfolge. Ist das Jakobus? Zieht man zu Markus 15 Johannes 19,25 hinzu und ist bereit, dort "Klopas" als "Alphäus" zu lesen, würde der zweite Jakobus unter den Jüngern zum Cousin Jesu mütterlicherseits, weil seine Mutter Maria die Schwester der Mutter Jesu sein könnte. Aber zwei Schwestern mit demselben Namen? Leider bleibt alles Spekulation!

Der Zehnte: Thaddäus

Thaddäus wird in Markus 3,18 als zehnter Apostel genannt. Matthäus 10,3 gibt seinen Namen ursprünglich mit "Lebbäus" wieder. Lukas 6,16 nennt stattdessen Judas, den Sohn des Jakobus. Nach Johannes 14,22 ist es dieser Jakobus, der Jesus bei dessen Abschiedsreden fragt, inwiefern er sich den Jüngern, nicht aber der Welt offenbaren wolle. Wer Thaddäus wirklich war und wie er hieß, bleibt im Dunklen. Spätere Überlieferungen räumen ihm eine Rolle als Missionar von Edessa und Armenien ein.

Der Elfte: Simon Kananäus

Bezüglich des zweiten Simon im Jüngerkreis scheinen Matthäus (10,4) und Markus (3,18) die Bedeutung nahe zu legen: Kananäus = Simon "aus dem Ort Kana". Doch dies ist wohl ein Missverständnis, liest man bei Lukas (6,15) über ihn: "Lukas der Zelot", aramäisch: qenana = Zelot, Eiferer. Somit gehörte zu Jesu Jüngerschar ein ehemaliger Zelot. Die Zeloten verkörperten die messianische Hoffnung im Pharisäismus, die nicht nur geduldig auf die Ankunft des Messias warten, sondern deren Erfüllung mit Gewalt herbeiführen wollte. Simon wurde unter den Jüngern diese Herkunft offensichtlich nicht los, vielmehr erinnerte man sich bewusst seiner Vergangenheit.

Der Zwölfte: Judas Iskariot

Judas, der Sohn des Simon, stammt aus dem Ort Kerioth - daher sein Beiname Iskariot. Er ist unter den Jüngern derjenige, der nicht aus Galiläa im Norden, sondern aus dem südlichen Juda stammt. Begegnet er dort im Umkreis Johannes des Täufers Jesus und ist ihm schon früh sehr verbunden? Nach der Notiz in Johannes 12,6 gilt er als der Kassenwart des Jüngerkreises. Das setzt voraus, dass die Jünger eine Lebensform hatten, die nach Gemeinschaftsinteressen ausgerichtet war. Schließlich ist er derjenige, der auf irgendeine Form zur Verhaftung und zur Verurteilung Jesu beiträgt. Vieles andere bleibt unklar: aus Enttäuschung? - um des Geldes willen? - um Jesus zur Entscheidung zu drängen? Judas bleibt ein Rätsel, um den weiterhin viel spekuliert werden wird.