Orgel Petrikirche
Halleluja. Preist ihn mit Orgelklang.
Alles was Atem hat, lobe den Herrn!
So heißt es in einem neueren Kirchenlied in LebensWeisen, dem Beiheft zu unserem Gesangbuch. Dies Lied ist nach Psalm 150 gedichtet. Nun nennt der „originale“ Psalm 150 viele Instrumente, die zum Lobe Gottes erklingen sollen, jedoch keine Orgel. Dabei ist die Orgel das gottesdienstliche Instrument überhaupt!?
Sehen wir in einem Film eine Kirche und hören dabei Orgelmusik, ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass es eine Trauung zu sehen gibt.
Und nicht selten erwarten Personen, die über die Rückständigkeit der Kirche sowie ihrer Lieder und Musik klagen, bei besonderen, kirchlichen Festen den feierlichen Klang der Orgel.
Die Bibel erwähnt im Alten Testament bei gottesdienstlichen Anlässen den Einsatz von Instrumenten. Dennoch tun sich das Judentum und das Christentum schwer, Musikinstrumenten im Gottesdienst zuzulassen. Man weiß von der Kraft der Musik, die nicht nur heilend, sondern auch verführerisch sein kann. Da ist man mit überprüfbaren und zugelassenen Texten auf einer sichereren Orgel Seite 3 Seite. So erklang im 1. Jahrtausend des Christentums ausschließlich vokale Musik im Gottesdienst.
Die älteste Form eines mit Tasten angespielten Pfeifeninstrumentes, einer Orgel also, findet sich im 3. vorchristlichen Jahrhundert. Der Winddruck wurde dabei mit Wasser reguliert. Das Instrument fand auch im Zirkus Verwendung. Während die Orgel im weströmischen Reich im Zuge der Völkerwanderungen spätestens im 6. Jahrhundert an Bedeutung verliert, überlebt sie in den arabischen Ländern und am Kaiserhof zu Byzanz.
Im Jahr 757 n. Chr. schenkt der byzantischen Kaiser Konstantin IV. dem karolingischen König Pippin dem Kurzen eine Orgel. Orgelmusik soll bei der Kaiserkrönung Karls des Großen im Jahr 800 erklungen sein. Wenn Orgelmusik dem Kaiser angemessen ist, wieviel mehr dann dem Herrn aller Herren! So breitet sich langsam die Orgel in Klöstern und Kathedralen aus. Technische Verbesserungen gaben ihr immer mehr klangliche Möglichkeiten und begünstigten so die Emanzipation der Instrumental- von der reinen Vokalmusik.
Mitunter hört man den Satz: „Die Orgel spielt ... .“ Kaum jemand sagt: „Das Cello spielt“ oder „Die Kanzel predigt über...“. Verschiedene Gründe mögen dazu geführt haben, z.B., dass man häufig den Organisten nicht sieht oder dass Töne sehr lang erklingen können. Der Orgelmusik wird ein „transzendentaler“ Charakter zugesprochen. Luther selbst „wollt alle Künste, sonderlich die Musica gern sehen im Dienst des, der sie gegeben und geschaffen hat“. Er sah Musik gelegentlich nicht nur in der Perspektive menschlicher Antwort auf das Wort Gottes, sondern sogar auch als ein Mittel göttlicher Verkündigung: „Gott predigt das Evangelium auch durch die Musik.“
Dietmar Zeretzke, Kantor

